
Krank durch Essen: Nährwert-Ampel gefordert

NDR Visite informierte am 19.02.2019. Video (05,02 Min.) abrufbar unter > https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/ ... ng652.html - Autorin: Ulrike Heimes

Eine ungesunde Ernährung macht viele von uns krank: 69 Prozent der Deutschen sind übergewichtig, jeder Dritte hat eine nichtalkoholische Fettleber, sechs Millionen leiden an Diabetes und jeder Fünfte stirbt einen ernährungsbedingten Herztod. Die Deutschen essen sich zu Tode, warnen Experten. Die Politik könnte eine weitere Zunahme der Ernährungskranken verhindern, verweigere aber bislang alle verfügbaren Maßnahmen.
Kürzeste Lebenserwartung in Westeuropa
Welche Folgen die ungesunde Ernährung hat, zeigt der Vergleich mit anderen Staaten Westeuropas. Im Durchschnitt haben Deutsche mit 81 Jahren die geringste Lebenserwartung. Das ist ein Jahr weniger als der durchschnittliche EU-Bürger. Dabei verfügt Deutschland über ein gutes und kostspieliges Gesundheitssystem. Doch dieser Vorteil werde nach Ansicht von Ernährungsmedizinern durch eine besonders schlechte Ernährung mehr als aufgehoben.
Ampel-Kennzeichnung in Deutschland gefordert
In deutschen Supermärkten ist bisher kaum zu erkennen, wie gesund oder ungesund ein Lebensmittel ist. Zwar sind Nährwerttabellen mittlerweile auf allen Lebensmitteln aufgedruckt, aber so klein und unübersichtlich, dass damit kaum jemand etwas anfangen kann.
In anderen Ländern hat die Politik bereits Maßnahmen ergriffen, um die Bürger zu schützen. Mehr als 70 Länder weltweit beschränken die Herstellung oder den Vertrieb ungesunder Lebensmittel.
Bewährt haben sich leicht verständliche Ampel-Systeme. In Frankreich steht zum Beispiel der sogenannte Nutriscore mitten auf der Verpackung. Damit kann jeder Verbraucher sofort erkennen, ob das Lebensmittel gesund (grün), ungesund (rot) oder irgendetwas dazwischen (gelb) ist.
Mit einer Ampel-Kennzeichnung könnten Verbraucher auf Anhieb ungesunde Zutaten in verarbeiteten Lebensmitten erkennen, zum Beispiel Zucker in Getränken oder Fertigsalaten, Salz in Brot oder Fett in Wurst.
Viele Experten fordern eine verpflichtende Ampel-Kennzeichnung auch in Deutschland. Die Erfahrung in anderen Ländern zeige, dass Hersteller dann ihre Rezepturen verändern, um einem roten Warnschild zu entgehen.
Zuckersteuer bringt Industrie zum Einlenken
In Großbritannien hat die Einführung einer Zuckersteuer auf süße Getränke gewirkt. Fast alle Hersteller haben dort nach Ankündigung der neuen Abgabe ihre Rezepturen verändert. So enthalten 100 Milliliter Fanta in Großbritannien nur noch 4,6 Gramm Zucker, in Deutschland mit 9,4 Gramm mehr als das Doppelte.
Transfette in Dänemark und USA verboten
Gefährliche Transfette in verarbeiteten Lebensmitteln sind in Dänemark bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten verboten, mittlerweile auch in den USA. Die für Übergewicht und Gefäßverkalkung verantwortlichen Transfette ließen sich auf Druck des Gesetzgebers leicht durch gesündere Alternativen ersetzen. Doch die Forderung vieler Ärzte nach einem Verbot von Transfetten auch in Deutschland wurde bisher nicht umgesetzt.
Ernährungsministerin setzt auf freiwillige Maßnahmen
Statt auf Verbote, klare Kennzeichnungspflichten oder eine höhere Besteuerung ungesunder Lebensmittel setzt die deutsche Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) auf freiwillige Maßnahmen der Lebensmittelindustrie und die Eigenverantwortung der Verbraucher.
Dabei zeigen Studien, dass schon eine höhere Mehrwertsteuer auf ungesunde Produkte und eine Steuerbefreiung für Obst und Gemüse einen großen Effekt hätten. Experten haben errechnet, dass steuernde Maßnahmen zur Reduzierung der Kalorienzufuhr die Zahl der schwer übergewichtigen Deutschen um zehn Prozent verringern könnten. Die Maßnahme würde nicht nur Leben retten, sondern auch Krankheitskosten in Milliardenhöhe sparen.
Quelle und weitere Informationen:
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/ ... ng652.html