Unabhängige Patientenberatung mit neuer Struktur

Rechtsbeziehung Patient – Therapeut / Krankenhaus / Pflegeeinrichtung, Patientenselbstbestimmung, Heilkunde (z.B. Sterbehilfe usw.), Patienten-Datenschutz (Schweigepflicht), Krankendokumentation, Haftung (z.B. bei Pflichtwidrigkeiten), Betreuungs- und Unterbringungsrecht

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Reform der Patientenberatung empfohlen

Beitrag von WernerSchell » 17.06.2020, 16:57

Reform der Patientenberatung empfohlen
Gesundheit/Anhörung

Berlin: (hib/PK) Gesundheitsexperten empfehlen eine Neuorganisation der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Die Vergabe des Auftrags an ein gewinnorientiertes Unternehmen wird ebenso kritisiert wie die Finanzierungsgrundlage. Die in der Sache kritischen Experten forderten anlässlich einer Anhörung des Gesundheitsausschusses zu einem Antrag der Linksfraktion am Mittwoch im Bundestag eine neue gesetzliche Grundlage für die UPD. Die Sachverständigen äußerten sich in schriftlichen Stellungnahmen.

Die Linksfraktion fordert in ihren Antrag (19/14373 https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/143/1914373.pdf ) einen Trägerwechsel für die UPD. Die UPD sollte dauerhaft in die Hände derjenigen Patientenorganisationen gelegt werden, die mit institutioneller Patientenberatung beschäftigt seien. Zugleich sollte auch die Finanzierung dauerhaft gewährleistet sein, um Kontinuität und Qualität zu gewährleisten. Statt aus Versichertengeldern (Gesetzliche Krankenversicherung/GKV) sollte die UPD aus Steuergeldern finanziert werden.

Seit Januar 2016 betreibt die Callcenter-Firma Sanvartis die UPD. Zuvor wurde der Auftrag von einer Bietergemeinschaft aus Sozialverband VdK, Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbund unabhängige Patientenberatung (VuP) wahrgenommen.

Der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Rolf Rosenbock, sprach sich dafür aus, zur "alten" UPD zurückzukehren. Die Ausschreibung der Leistungen auf Zeit unter Beteiligung gewinnwirtschaftlicher oder abhängiger Bieter und Akteure habe sich nicht bewährt. Als Träger kämen nur gemeinnützige Organisationen der Zivilgesellschaft infrage.

Ähnlich argumentierte der Gesundheitsexperte Stefan Etgeton, der die finanzielle und strukturelle Anbindung der UPD an die GKV als "Webfehler" kritisierte. Die UPD gerate so in eine strukturelle Abhängigkeit zu einem wesentlichen Akteur im Gesundheitswesen. Dieses ungelöste Problem laste auf der Glaubwürdigkeit des Angebots.

Der Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientinnenstellen und Initiativen (BAGP), Gregor Bornes, erklärte als Einzelsachverständiger, die Beratungszahlen der UPD seien immer noch niedrig und mit rund 130.000 Beratungen 2019 weit entfernt von den in der Ausschreibung zugesagten 220.000 Beratungen pro Jahr. Durch die Privatisierung habe die UPD einen massiven Vertrauensverlust erlitten.

UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede zog hingegen ein positives Fazit. Die Ratsuchenden könnten sich darauf verlassen, dass es keinen Einfluss von Leistungserbringern oder Kostenträgern auf die Beratung gebe. Die wissenschaftliche Begleitung zeige, dass die Bürger mit der Beratung sehr zufrieden seien und insbesondere die telefonische Erreichbarkeit gut sei. Bedingt durch die Corona-Krise, hätten sich in den ersten fünf Monaten des Jahres 2020 besonders viele Menschen an die UPD gewandt.

Quelle: Mitteilung vom 17.06.2020
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Auch Sachverständige fordern gesetzlichen Rahmen für Unabhängige Patientenberatung

Beitrag von WernerSchell » 17.06.2020, 16:59

0463 / 17. Juni 2020
Pressemitteilung von Harald Weinberg


Auch Sachverständige fordern gesetzlichen Rahmen für Unabhängige Patientenberatung

"In der öffentlichen Anhörung im Bundestag bestätigten die Sachverständigen die Kritik der LINKEN an der Unabhängigen Patientenberatung UPD, deren Mutterfirma eigene kommerzielle Interessen verfolgt. Wir brauchen für die Zukunft eine - übrigens auch von Krankenkassen - unabhängige Beratungsstruktur, eine Finanzierung aus Steuermitteln ohne turnusmäßige Ausschreibung und ein neues Trägermodell. Die maßgeblichen Patientenorganisationen sollten dabei mit der dann auch wirklich unabhängigen Patientenberatung dauerhaft betraut werden", erklärt Harald Weinberg, krankenhauspolitischer Sprecher und Sprecher für Prävention und Gesundheitsförderung der Fraktion DIE LINKE, zur heutigen Anhörung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestags zum Antrag der LINKEN "UPD - Gemeinnützigkeit und Unabhängigkeit wiederherstellen". Weinberg weiter:

"Kommerzielle und finanzielle Interessen einer Mutterfirma wie bei der jetzigen Sanvartis-Careforce-UPD erschüttern das Vertrauen bei den Ratsuchenden. Zudem gibt es harsche Kritik an Umfang und Qualität der Sanvartis-UPD.

Zudem stellt der Bundesrechnungshof, so berichten es mehrere Medien, fest, dass durch hohe Zahlungen der UPD an andere Firmen der Sanvartis-Unternehmensallianz der Eindruck fehlender Unabhängigkeit und Neutralität entstehen könne. Leider wird der Bericht des Bundesrechnungshofs bisher geheim gehalten und ist in voller Länge nur wenigen Politikerinnen und Politikern bekannt. Die gesamte Öffentlichkeit, alle ratsuchenden Patientinnen und Patienten sowie alle gesetzlich Versicherten haben aber ein Recht darauf zu erfahren, wofür die Versichertengelder bei der UPD wirklich verwendet wurden.

Bereits im kommenden Jahr würde der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung die Ausschreibung für weitere sieben Jahre einleiten. Im Interesse aller Ratsuchenden ist die Bundesregierung daher gefordert, schnell eine patientenorientierte Lösung gesetzlich zu verankern. Im Antrag der Linksfraktion und in den Stellungnahmen der allermeisten Sachverständigen zur heutigen Anhörung ist enthalten, wie dies auszusehen hat."

F.d.R. Benjamin Wuttke
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Neuaufstellung der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) dringend nötig

Beitrag von WernerSchell » 18.06.2020, 16:38

Neuaufstellung der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) dringend nötig
vzbv-Stellungnahme zum Antrag der Fraktion DIE LINKE im Bundestag


Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt die mit dem Antrag der Fraktion DIE LINKE angestoßene wichtige öffentliche Debatte zur Weiterentwicklung der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) außerordentlich und hält diese für unabdingbar. Der vzbv sieht insbesondere die Anbindung der UPD an die Zivilgesellschaft als notwendig an. Dies führt zur notwendigen verbesserten gesellschaftlichen Vernetzung und Wahrnehmung des unabhängigen Angebots der Patientenberatung.

Nur durch eine bessere zivilgesellschaftliche Anbindung der UPD können auch die aus der Beratungstätigkeit gewonnenen Erkenntnisse über Mängel im Gesundheitswesen auf direktem Weg Eingang in das politische Geschehen und die entscheidenden Gremien im Bereich der Gesundheit finden.

• Die bestehenden Aufgaben der Patientenberatung in Deutschland müssen langfristig sichergestellt werden.
• Die Patientenberatung muss auf ein neutrales unabhängiges Fundament im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Patienten gestellt werden.
• Die derzeitige Rechtsgrundlage der Unabhängigen Patientenberatung muss einer kritischen Überprüfung unterzogen und angepasst werden.
• Die Patientenberatung muss wieder stärker als direkter Seismograf im Gesundheitswesen genutzt werden.

Oberstes Gebot muss die Verstetigung und die Schaffung von Kontinuität in der Arbeit sowie deren Anbindung an die Zivilgesellschaft sein. Es gilt jetzt die Weichen für die Zukunft zu stellen – als vzbv und Verbraucherzentralen sind wir bereit uns einzubringen und wieder eine maßgebliche Position und Stimme bei der Unabhängigen Patientenberatung zu übernehmen.


>> Klicken Sie hier, um das Positionspapier direkt als pdf-Datei herunterzuladen >> https://newsletter.vzbv.de/d/d.pdf?o00d ... iqtjmfem30

Quelle: Pressemitteilung vom 18.06.2020
Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
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Gesundheitsfürsorge: „Patientenberatung ist nicht bekannt“

Beitrag von WernerSchell » 29.06.2020, 12:15

Gesundheitsfürsorge: „Patientenberatung ist nicht bekannt“
Claudia Schmidtke, Patientenbeauftragte der Bundesregierung, will ein neues Konzept der Gesundheitsinformationen für Bürger. Denn die Institution der Unabhängigen Patientenberatung ist kaum bekannt.
Quelle: Stuttgarter Nachrichten > https://newsletter.vzbv.de/d/d.html?o00 ... 4zod54rw46
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Streit um Beratungsqualität: UPD wirft Stiftung Warentest falsche Bewertung vor

Beitrag von WernerSchell » 01.07.2020, 06:39

Deutsches Ärzteblatt vom 30.06.2020:
Streit um Beratungsqualität: UPD wirft Stiftung Warentest falsche Bewertung vor
Berlin – Oftmals bestimme Glück darüber, wie die Qualität der Auskünfte bei der Unabhängi­gen Patientenberatung (UPD) ausfällt. So schreibt es die Stiftung Warentest nach einer stichprobenartigen Untersuchung des Angebots in der aktuellen Ausgabe des Testheftes.
Die Beratung falle je nach Mitarbeiter mal hilfreich, mal verwirrend und bisweilen auch katastrophal aus. Ein zentraler Vorwurf der Warentester sei fachlich falsch, setzte sich die UPD mittlerweile in einer Mitteilung zur Wehr. Darin wird unter anderem kritisiert, dass die Ergebnisse der UPD nicht vor Veröffentlichung zur Verfügung gestellt worden seien und die Testmethodik kaum nachvollziehbar sei.
... (weiter lesen unter) ... > https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... 7ac2e8834e
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